9. Februar 2021In Düsseldorf Journal

Hörsaal der Medizinischen Fakultät nach Selma Meyer benannt

Meral Alma stiftet der HHU und dem UKD großformatiges Gemälde

Als Frauen noch nicht wissenschaftlich arbeiten durften, setzte sie sich als Pionierin in ihrem Fach durch: Selma Meyer. 1922 wurde sie als erste Frau im Fach Pädiatrie und als zweite Frau an einer deutschen Medizinischen Fakultät habilitiert. Fünf Jahre später erfolgte die Ernennung an der Medizinischen Akademie Düsseldorf zur außerplanmäßigen Professorin für Kinderheilkunde. Beim Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 wurde ihr als Jüdin die Dozentur entzogen, 1939 musste sie aus Deutschland fliehen. Die erste deutsche Professorin für Kinderheilkunde wird nun zur Namensgeberin des größten Hörsaals der Medizinischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU).

Mit 400 Plätzen ist 13 A der größte Hörsaal in der Medizin. Der Fakultätsrat der Medizinischen Fakultät und der Vorstand des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD) haben beschlossen, dass der HS 13 A den Namen dieser außergewöhnlichen Ärztin tragen soll, die an der Medizinischen Akademie Düsseldorf tätig war und ein schweres Schicksal während des Nationalsozialismus erlitten hat. Vor allem der frühere Prorektor Prof. Dr. Klaus Pfeffer und die Inhaberin des früheren Lehrstuhls für historische Bildungsforschung an der HHU, Prof. Dr. Gisela Miller-Kipp, hatten sich seit 2018 für die Benennung eingesetzt. 

Im Vorraum und im Hörsaal wurden die Schriftzüge „Selma Meyer Hörsaal“ angebracht. Strahlender Blickfang im Hörsaal ist ein großformatiges auf Glas gearbeitetes Gemälde (200 x 265 cm) der Künstlerin Meral Alma (35), das eine Frau mit geschlossenen Augen und Krone zeigt. Prof. Miller-Kipp hatte die Stiftung dieses Bildes im Sinne einer angemessenen Würdigung der bedeutenden Düsseldorfer Ärztin initiiert. „Mit Meral Almas Werk haben wir ein Motiv gefunden, das zu Selma Meyers Vita passt und für mutige Frauen steht, die ihren Lebensweg selbstbewusst gestalten und Erfolg haben“, so Prof. Pfeffer.

 „Jeder könnte diese Person sein“, sagt Meral Alma über ihr Kunstwerk. „Das Format und die Art, wie das Bild gearbeitet wurde stehen für die Größe, den Mut, die Kraft und zugleich die Anmut, die jeder Mensch in sich trägt“. Mit ihrem Gemälde, das die mehrfache Preisträgerin der Kunstakademie Düsseldorf zum Andenken an Selma Meyer stiftete, möchte sie ein Zeichen setzen dafür, den eigenen Lebensweg zu finden und ihn ungeachtet jedweder Widerstände und Diskriminierungen zu gehen. Das Rektorat, die Medizinische Fakultät und das UKD bedanken sich bei der renommierten Künstlerin für die generöse Stiftung des Gemäldes herzlich. 

Prof. Dr. Selma Meyer (1881-1958)

Sie war die erste deutsche Professorin für Kinderheilkunde. 1908 schloss die Tochter einer jüdischen Kaufmannsfamilie eine Ausbildung zur Musiklehrerin ab. Ein besonderes Jahr, denn durch einen Erlass des Preußischen Kultusministers durften Frauen dann erstmals studieren. Kurzerhand holte die 27-Jährige ihr Abitur nach und begann 1910 ihr Medizinstudium, das sie mit der Note „sehr gut“ abschloss. Nach ihrer Ausbildung zur Kinderärztin an der Berliner Charité und der Düsseldorfer Kinderklinik wurde sie ab 1921 Oberärztin der Infektionsklinik in Düsseldorf. Selma Meyer war nach Adele Hartmann die zweite Frau, die an einer deutschen medizinischen Fakultät die Venia Legendi erwarb. Sie befasste sich wissenschaftlich mit der Infektiologie und Immunologie im Kindesalter, der Morphologie des Blutes bei Mensch und Tier sowie mit sozialer Pädiatrie. 1939 musste sie als jüdische Ärztin fliehen und wagte später in New York einen weiteren Neuanfang: Mit 58 legte Meyer das amerikanische Staatsexamen ab und konnte eine Praxis eröffnen, in der sie bis zu ihrem Lebensende ihre Patienten und Patientinnen behandelte.

Nach Selma Meyer ist auch das erfolgreiche HHU-Mentoring-Programm benannt – eines der größten an Universitäten in Deutschland. Es unterstützt seit 2006 gezielt Doktorandinnen, sowie promovierte Wissenschaftlerinnen und Ärztinnen, die sich weiterbilden oder habilitieren. Mentorinnen und Mentoren motivieren sie, sich beruflich und persönlich weiterzuentwickeln.

Meral Alma (*1985)

Mit ihrer 2017 begonnenen mehrteiligen Werkserie „Zirkus des Lebens“ ist Meral Alma innerhalb weniger Jahre als Malerin bekannt geworden. Meral Alma, die einen Magister-Abschluss der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität hat und dort eine Dissertation schreibt, studierte von 2010-2018 freie Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf. 2014 und 2015 erhielt sie den Förderpreis. 2015 wurde sie ausgewählt, ein Herz für UNICEF beim Projekt „23 internationale Künstler gestalten ein Herz für UNICEF“ zu kreieren. 2017 wurde Meral Alma zur Meisterschülerin von Prof. Siegfried Anzinger ernannt. 2018 Abschluss mit Akademiebrief. In den letzten 4 Jahren nahm sie an mehr als 30 Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland, u. a. im Museum K21, im Haus der Universität, in städtischen Galerien und in der Deutschen Bank teil. Meral Alma engagiert sich darüber hinaus bei dem Projekt „Zwischen Wissenschaft und Kunst“ von Prof. Dr. Peter Tepe in Kooperation u. a. mit Professoren der Kunstakademie und der HHU mit dem Zweck, Verbindungen zwischen Wissenschaft und bildender Kunst zu präsentieren.


© Fotos: HHU Düsseldorf

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